Biogas im Gasnetz: Netzeinspeisung und Rückspeisung verständlich erklärt

Posted by Natalie Sener on 03.03.2026 07:58:44
Natalie Sener

Die Energiewende braucht flexible, speicherbare und klimafreundliche Lösungen. Biogas (genauer gesagt aufbereitetes Biomethan) spielt dabei eine zentrale Rolle. Doch wie gelangt dieses erneuerbare Gas eigentlich ins bestehende Gasnetz? Und was passiert, wenn lokal mehr Gas erzeugt wird, als gerade benötigt wird?

In diesem Beitrag erklären wir die Biogas‑Netzeinspeisung und die Rückspeisung, gehen auf die technischen Hintergründe ein, zeigen die Unterschiede auf und erläutern die zentrale Rolle von Verdichtern.

Vorlage 3-9

Was ist Biogas‑Netzeinspeisung?

Unter Biogas‑Netzeinspeisung versteht man das Einleiten von aufbereitetem Biogas (Biomethan) in das öffentliche Erdgasnetz.
Biogas ist technisch kompatibel mit fossilem Erdgas und kann nach entsprechender Aufbereitung in Transport‑ und Verteilnetze eingespeist werden.

Damit Biogas eingespeist werden kann, muss es:

  • auf Erdgasqualität aufbereitet werden (Reinigung, CO₂‑Abtrennung, Entschwefelung)

  • am Einspeisepunkt einen definierten Druck, Volumenstrom und Brennwert erfüllen

Technische Komponenten einer Einspeisung

Zu den typischen Bestandteilen einer Einspeiseanlage gehören:

  • Verdichtung (optional)

  • Pufferspeicher

  • Filter, Messung und Gasqualitätskontrolle

  • Odorierung

  • Übernahmestation

Die Einspeisung ermöglicht eine räumlich und zeitlich flexible Nutzung: Das Biomethan kann überall dort eingesetzt werden, wo Gas verfügbar ist – für Wärme, Strom oder als Kraftstoff. 

Was ist Biogas‑Rückspeisung?

Die Biogasrückspeisung bezeichnet das Einleiten von Gas in vorgelagerte Gasnetze, also das Rückführen in ein höheres Druck‑ oder Transportnetz.

Sie wird eingesetzt, wenn:

  • lokale Netze mehr Gas enthalten als benötigt

  • der Druck im Netz ausgeglichen werden muss

  • höherwertige Netzebenen Gas aufnehmen sollen

Die rückgespeisten Gase können sowohl Biomethan, synthetisches Methan oder andere erneuerbare Gase sein.

Damit die Rückspeisung funktioniert, werden häufig mobile oder stationäre Verdichter eingesetzt, die den benötigten höheren Druck bereitstellen.

Einspeisung in das Gasnetz:Biogas

Was ist der Unterschied zwischen Netzeinspeisung und Rückspeisung?

Thema Netzeinspeisung Rückspeisung
Flussrichtung  Vom Erzeuger in das Gasnetz Vom lokalen Netz in übergeordnete Netzebene
Zweck Vermarktung, Nutzung, Integration erneuerbarer Gase Druckmanagement, Netzstabilisierung, Nutzung von Überschüssen
Technische Anforderungen Qualität, Druck, Brennwert, striktgeregelt Zusätzlicher Druckaufbau notwendig
Typische Anlagen Aufbereitung + Einspeisestation Verdichterstationen + Sicherheitstechnik

Rolle der Rückspeisung

  • Rückspeisung ermöglicht flexiblere Netzstrukturen, insbesondere in Regionen mit vielen Erzeugungsanlagen.

  • Sie hilft, Bottlenecks und Druckprobleme zu vermeiden.

Gerade mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Gase gewinnt diese Funktion im Gasnetz weiter an Bedeutung. 

Welche Rolle spielen Verdichter?

Verdichter (Kompressoren) sind ein zentrales Element in beiden Prozessen.

Bei der Netzeinspeisung
Biogas entsteht in der Regel bei vergleichsweise niedrigem Druck, während Gasnetze auf höheren Druckstufen betrieben werden:

  • Nieder‑ bis Mitteldruckebene: ca. 1–5 bar

  • Hochdruckebene: bis zu 80 barg

Damit das Biomethan den erforderlichen Einspeisedruck erreicht, wird es verdichtet. Die Verdichtung gehört damit zu den wesentlichen Komponenten einer Einspeiseanlage.

Bei der Rückspeisung

  • Rückspeisung erfordert nahezu immer höhere Drücke, als im lokalen Netz vorhanden sind.

  • Zum Einsatz kommen Verdichter, die häufig kaskadiert ausgeführt oder mit Drehzahlregelung versehen sind 

  • Diese werden unter anderem auch zur Vermeidung von Methanemissionen genutzt, da Überschüssiges Erdgas in die nächste Druckebene eingespeist werden kann 

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Fazit

Verdichter sind eine unverzichtbare technische Komponente für die Integration von Biogas in bestehende Gasnetze. Sie sorgen für die erforderliche Druckanpassung, ermöglichen eine stabile und sichere Einspeisung und machen die Rückführung von Gas in höhere Netzebenen überhaupt erst möglich. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Emissionsreduktion und zu betriebssicheren Prozessen im Netzbetrieb.

Ob bei der Netzeinspeisung oder der Rückspeisung: Verdichter bilden eine zentrale Voraussetzung für den zuverlässigen, flexiblen und effizienten Einsatz von Biogas und anderen erneuerbaren Gasen in der heutigen und zukünftigen Gasinfrastruktur.

Was ist der Unterschied zwischen Biogas‑Netzeinspeisung und Rückspeisung?
Bei der Netzeinspeisung wird aufbereitetes Biogas in das Gasnetz eingespeist, bei der Rückspeisung wird überschüssiges Gas in eine übergeordnete Netzebene zurückgeführt.
Kann Biogas einfach ins Erdgasnetz eingespeist werden?
Nein, Biogas muss vor der Einspeisung auf Erdgasqualität aufbereitet werden und definierte Anforderungen an Druck, Brennwert und Gasqualität erfüllen.
Warum sind Verdichter bei Biomethan so wichtig?
Verdichter sorgen dafür, dass das Gas den erforderlichen Netzdruck erreicht und sicher eingespeist oder in höhere Netzebenen zurückgeführt werden kann.
Wann ist eine Rückspeisung von Biogas notwendig?
Eine Rückspeisung wird eingesetzt, wenn lokale Netze mehr Gas enthalten als benötigt wird oder wenn ein Druckausgleich im Netz erforderlich ist.
Braucht jede Biogasanlage einen Verdichter?
In den meisten Fällen ja, da Biogas mit niedrigem Druck erzeugt wird und für Einspeisung oder Rückspeisung ein höherer Netzdruck erforderlich ist.

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Topics: Kompressortechnik

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