Kompressor- und Druckluft-Blog

Die drei Wege der Filtration

Geschrieben von Jelena Pavicevic | 05.02.2026 12:23:32

Warum moderne Druckluftfilter weit mehr können als man denkt

Moderne Druckluftfilter arbeiten nicht nach dem Prinzip eines mechanischen Siebs,sondern nutzen mehrere physikalische Filtrationsmechanismen gleichzeitig. Durch Impaction, Interception und Diffusion können Partikel über alle relevanten Größenbereiche hinweg zuverlässig abgeschieden werden. Besonders wichtig ist dabei der kritische MPPS (Most Penetrating Particle Size) also der Partikelgrößenbereich, in dem ein bestimmter Filter seine geringste Abscheideleistung aufweist und Partikel am schwersten zu filtern sind. Hochwertige Druckluftfilter sind genau für diesen Worst-Case-Bereich ausgelegt und sorgen so für eine konstant hohe Druckluftqualität in industriellen Anwendungen.

In vielen industriellen Anwendungen ist saubere Druckluft kein „Nice-to-have“, sondern eine Grundvoraussetzung. Ob in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, in der Pharma- oder Chemieproduktion oder in sensiblen pneumatischen Systemen: Schon kleinste Verunreinigungen können Prozesse stören, Produktqualität beeinträchtigen oder ganze Chargen unbrauchbar machen.

Doch wie genau schaffen es moderne Druckluftfilter eigentlich, Partikel aus der Luft zu entfernen, die um ein Vielfaches kleiner sind als ein menschliches Haar? Und warum gelten ausgerechnet bestimmte Partikelgrößen als besonders schwer zu beherrschen?

Viele stellen sich Filtration noch immer wie ein einfaches Sieb vor: Große Partikel bleiben hängen, kleine gehen hindurch. In der Realität funktioniert Filtration jedoch ganz anders. Sie basiert auf einem Zusammenspiel physikalischer Effekte, die gezielt genutzt werden, um Partikel unterschiedlichster Größe zuverlässig abzuscheiden. Moderne Filtermedien kombinieren dabei mehrere Filtrationsmechanismen gleichzeitig: Drei der wichtigsten sind Impaction, Interception und Diffusion.

Genau dieses Zusammenspiel macht hochwertige Druckluftfilter, wie sie auch im Atlas Copco Webshop verfügbar sind: so leistungsfähig und effizient.

Impaction: wenn große Partikel nicht mehr ausweichen können

Der erste Mechanismus ist die sogenannte Impaction. Hier spielen Trägheitskräfte die entscheidende Rolle. Größere und schwerere Partikel besitzen so viel Masse, dass sie dem Luftstrom nicht mehr exakt folgen können. Während die Luft elegant um die feinen Filterfasern herumströmt, behalten diese Partikel ihren Kurs bei und prallen direkt auf eine Faser.

Ein anschaulicher Vergleich: Ein schwer beladenes Fahrzeug kann einer engen Kurve nicht so leicht folgen wie ein Fahrrad. Es „trägt“ nach außen genau wie große Partikel im Filter.

Impaction wirkt besonders effektiv bei Partikeln größer als etwa 1 Mikrometer, etwa bei:

    • Staub aus Produktionsumgebungen
    • Rost- oder Abriebpartikeln aus Druckluftleitungen
    • größeren Öltröpfchen in Kompressorsystemen

In der Praxis bildet Impaction die erste Schutzbarriere innerhalb eines mehrstufigen Filtersystems.

 

Interception: wenn Nähe reicht

Feiner wird es beim zweiten Mechanismus: der Interception. Hier folgen die Partikel dem Luftstrom grundsätzlich, kommen dabei aber so nah an eine Filterfaser heran, dass sie diese berühren und haften bleiben.

Anders als beider Impaction spielen Masse und Geschwindigkeit eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist die Größe des Partikels im Verhältnis zum Abstand der Filterfasern. Schon ein leichter Kontakt genügt, um den Partikel abzufangen.

Interception ist besonders wirksam bei mittleren Partikelgrößen ab etwa 0,5 Mikrometer, zum Beispiel:

    • feinem Industriestaub
    • Aerosolen oder Harztröpfchen
    • Pollen oder ähnlichen Schwebstoffen

Damit schließt dieser Mechanismus genau die Lücke zwischen groben und sehr feinen Partikeln.

Diffusion: der zufällige Weg der kleinsten Partikel

Für extrem kleine Partikel kommt schließlich die Diffusion ins Spiel. Partikel unterhalb von etwa 0,1 Mikrometer sind so leicht, dass sie permanent von Luftmolekülen angestoßen werden. Dieses Phänomen nennt man Brown’sche Bewegung.

Anstatt sich geradlinig mit dem Luftstrom zu bewegen, „tanzen“ diese ultrafeinen Partikel unvorhersehbar durch das Filtermedium. Genau diese Zufälligkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie früher oder später mit einer Faser kollidieren und abgeschieden werden.

Diffusion ist daher besonders effektiv bei:

    • ultrafeinen Ölnebeln
    • Ruß- und Nanopartikeln
    • sehr kleinen biologischen Verunreinigungen

Gerade in sensiblen Branchen wie der Pharma- oder Elektronikindustrie ist dieser Mechanismus entscheidend.

Die größte Herausforderung: die Most Penetrating Particle Size (MPPS)

Ein besonders wichtiger und oft missverstandener Aspekt moderner Filtration ist diesogenannte Most Penetrating Particle Size (MPPS).

Entgegen der intuitiven Annahme sind es nicht die größten oder die allerkleinsten Partikel, die für Filter die größte Herausforderung darstellen. Die kritischsten Partikel liegen vielmehr im mittleren Bereich des jeweiligen Filtrationsspektrums eines Filters.

Vereinfacht gesagt gilt:

Jeder Filter ist für einen bestimmten Partikelgrößenbereich ausgelegt und genau in der Mitte dieses Bereichs befindet sich die Partikelgröße, die am schwersten abzuscheiden ist. Diese wird als MPPS bezeichnet.

Welche Partikelgröße das konkret ist, hängt vom Filtertyp, vom Filtermedium und von der Filterklasse ab. So liegt die MPPS bei einem typischen Feinfilter (z. B. DD-Filter) näher bei etwa 0,1 µm, während sie bei sehr hochabscheidenden Filtern (z. B. PD-Filter) nochmals deutlich kleiner sein kann. Eine pauschale Angabe für alle Filter ist daher nicht sinnvoll.

Physikalisch erklärt sich dieses Phänomen dadurch, dass in diesem mittleren Bereich:

    • Diffusion bei sehr kleinen Partikeln noch nicht ausreichend wirksam ist
    • Impaction und Interception bei größeren Partikeln noch nicht voll greifen

Das führt zu einem charakteristischen „Effizienz-Minimum“ in der Filterkennlinie.

Aus diesem Grund prüfen internationale Normen die Filterleistung nicht nur bei einer einzelnen Partikelgröße, sondern gezielt im kritischsten Bereich der jeweiligen Filterauslegung. Für Anwender bedeutet das:
Nur Filter, deren Leistungsfähigkeit auch unter diesen ungünstigsten Bedingungen geprüft wurde, bieten dauerhaft verlässliche Druckluftqualität.

Was bedeutetdas konkret?

Für die Praxis lassen sich daraus klare Empfehlungen ableiten:

Erstens: Filtration ist immer ein System.
Die Kombination aus Vorfilter, Feinfilter und, je nach Anwendung, Aktivkohlefilter stellt sicher, dass das gesamte Partikelspektrum zuverlässig abgedeckt wird.

Zweitens: Zertifizierte Filterleistung zählt.
Angaben zu einzelnen Partikelgrößen ohne MPPS-Bezug liefern kein vollständiges Bild über die tatsächliche Sicherheit eines Filters.

Drittens: Effizienz und Energieverbrauch gehören zusammen.
Moderne Filtermedien sind so ausgelegt, dass sie auch im kritischen MPPS-Bereich hohe Abscheidegrade bei gleichzeitig niedrigem Druckverlust erreichen: ein entscheidender Faktor für die Betriebskosten.

Im AtlasCopco Webshop finden Anwender genau solche Filterlösungen, abgestimmt auf unterschiedliche Anwendungen und Qualitätsanforderungen, von der allgemeinen Industrie bis hin zu hochsensiblen Prozessen.

Fazit

Moderne Druckluftfiltration ist weit mehr als das Zurückhalten sichtbarer Partikel. Erst das gezielte Zusammenspiel von Impaction, Interception und Diffusion ermöglicht eine zuverlässige Abscheidung über das gesamte Partikelspektrum, selbst im kritischsten MPPS-Bereich.

Wer Druckluftprozesse sicher, effizient und zukunftsfähig gestalten möchte, sollte daher nicht nur auf die Filterklasse schauen, sondern auf geprüfte Leistung, systematische Auslegung und langfristige Effizienz.