Kompressor- und Druckluft-Blog

Neues Jahr, weniger Leckagen: So starten Sie energieeffizient in 2026

Geschrieben von Jelena Pavicevic | 08.01.2026 09:44:17

Das neue Jahr ist da und mit ihm die Gelegenheit, Prozesse zu hinterfragen und effizienter zu gestalten. Während viele Vorsätze privat schnell vergessen werden, lohnt sich ein guter Vorsatz für die Druckluftanlage fast immer. Denn Druckluft ist in der Industrie eine der teuersten Energieformen und Druckluftleckagen zählen zu den häufigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Kostenverursachern.

Bei ca. 4000 Betriebsstunden im Jahr entfallen etwa 80 % der Lebenszykluskosten einer Druckluftanlage auf Energie. Ein erheblicher Teil dieser Energie geht nicht in die Produktion, sondern schlichtweg verloren, durch Leckagen. Kleine Undichtigkeiten, lose Verschraubungen oder gealterte Schläuche verursachen Jahr für Jahr hohe Kosten, ohne dass sie sofort auffallen. Wer 2026 energieeffizient starten möchte, sollte deshalb einen klaren Fokus auf das Thema Leckagen legen.

 

Was sind Leckagen und warum sind sie so relevant?

Leckagen sind ungewollte Druckluftverluste, die überall im Druckluftsystem auftreten können. Typische Stellen sind:

  • Rohrverbindungen und Verschraubungen
  • Schläuche und Kupplungen
  • Ventile, Filter und Druckregler
  • beschädigte oder gealterte Dichtungen

Das Problem: Druckluftleckagen sind oft weder sichtbar noch hörbar, besonders in lauten Produktionsumgebungen. Dennoch summieren sich diese Verluste erheblich. Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass in vielen Anlagen 10 bis 15 % der erzeugten Druckluft durch Leckagen verloren gehen. In schlecht gewarteten Netzen können es sogar noch mehr sein.

Diese Druckluftverluste durch Leckagen verursachen direkte Kosten, denn jeder verlorene Kubikmeter Druckluft wurde zuvor mit elektrischer Energie erzeugt, inklusive Kompressorleistung, Aufbereitung und Verteilung.

Alle Anlagen haben Leckagen aber nicht alle zu viele

Ein wichtiger Punkt, der oft missverstanden wird:
Leckagen lassen sich niemals vollständig vermeiden. Jede Druckluftanlage hat systembedingt gewisse Verluste. Ziel ist daher nicht „null Leckagen“, sondern ein wirtschaftlich vertretbares Minimum.

Ab einem bestimmten Punkt ist es ineffizient, mit hohem Aufwand kleinste Undichtigkeiten zu beseitigen. Entscheidend ist, die großen und mittleren Leckagen zu erkennen, zu bewerten und gezielt zu beheben. Genau hier liegt der Schlüssel zu nachhaltigen Einsparungen.

Druckluftleckagen Kosten: Warum Kennzahlen entscheidend sind

Ohne Kennzahlen bleibt das Thema Leckagen abstrakt. Erst messbare Werte zeigen, wie hoch die tatsächlichen Verluste sind und wo Handlungsbedarf besteht. In vielen Betrieben fehlen jedoch genau diese Daten und damit die Transparenz.

Wichtige Fragen lauten:

  • Wie hoch sind unsere Druckluftleckagen im Verhältnis zur Gesamtleistung?
  • Wie entwickeln sich die Verluste über das Jahr?
  • Welche Kosten verursachen die Leckagen konkret?

Wer diese Fragen beantworten kann, kann Leckagen gezielt reduzieren, statt nur zu vermuten.

Leckageverluste messen: eine einfache Praxis-Methode

Eine besonders praxisnahe Methode zur Bestimmung der Leckageverluste ist die Messung im Betriebsstillstand. Sie lässt sich mit wenig Aufwand durchführen und liefert aussagekräftige Ergebnisse:

  1. Die Produktion wird angehalten, z. B. am Wochenende oder während eines geplanten Stillstands.
  2. Der Kompressor bzw. die Kompressoren werden eingeschaltet.
  3. Am Kompressor wird abgelesen, wie viel Druckluft trotz Stillstand erzeugt wird.

Wenn tatsächlich keinerlei Verbraucher im Druckluftnetz aktiv sind, entspricht der erzeugte FAD (freier Ansaugvolumenstrom) exakt dem Volumenstrom, der über Leckagen verloren geht. Diese einfache Messung schafft erstmals Klarheit darüber, wie groß die tatsächlichen Druckluftverluste durch Leckagen sind.

Leckagen finden: systematisch statt zufällig

Um Druckluftleckagen zu finden, reicht ein gelegentlicher Rundgang meist nicht aus. Bewährt haben sich systematische Verfahren wie:

Ultraschalltechnik ermöglicht es, auch kleinste Luftleckagen zu lokalisieren, selbst in lauten Umgebungen. Die Ergebnisse sollten dokumentiert, priorisiert und schrittweise abgearbeitet werden. Gerade größere Anlagen profitieren davon, Leckagen regelmäßig orten zu lassen, statt nur auf akute Probleme zu reagieren.

Leckagen reduzieren: mit Augenmaß und Strategie

Beim Eindämmen von Leckagen gilt ein klarer Grundsatz: Nicht alles auf einmal, sondern das Richtige zuerst. Große Leckagen verursachen den größten Energieverlust und sollten priorisiert behoben werden.

Bewährte Maßnahmen sind:

  • beschädigte Schläuche und Kupplungen austauschen
  • Verschraubungen fachgerecht abdichten
  • veraltete Komponenten ersetzen
  • regelmäßige Prüfintervalle festlegen

Das Eindämmen von Leckagen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Wer Leckagen regelmäßig überprüft und dokumentiert, senkt dauerhaft die Druckluftleckagen-Kosten und erhöht die Betriebssicherheit.

Der Einfluss von Betriebsdruck und Leerlauf

Auch der Betriebsdruck spielt eine entscheidende Rolle. Jeder zusätzliche Bar Druck erhöht den Energiebedarf um etwa 6–7 %. Gleichzeitig steigen die Leckageverluste mit zunehmendem Druck. Eine Reduktion um nur 1 Bar kann die Leckageverluste um bis zu 13 % senken.

Hinzu kommt der Leerlaufbetrieb: Niedrige Auslastung führt zu unnötigem Energieverbrauch und verstärkt die Auswirkungen vorhandener Leckagen. Moderne, drehzahlgeregelte Kompressoren und ein angepasstes Druckmanagement helfen, diese Verluste zu begrenzen.

*Praxis-Tipp: Mit drehzahlgeregelten Kompressoren (VSD) von Atlas Copco passen Sie die Leistung an den tatsächlichen Bedarf an. Das spart Strom und reduziert unnötige Druckluftverluste durch Leckagen.

Leckagen im Produktionsstillstand: ein unterschätztes Risiko für den Kompressor

Leckagen sind nicht nur während der Produktion ein Kostenfaktor, sondern können auch im Produktionsstillstand problematisch werden. Bleibt der Kompressor bei Stillstand eingeschaltet und sind Leckagen im System vorhanden, kann es zu einem unerwünschten Takten des Kompressors kommen. Das bedeutet: Durch den Druckabfall im Netz springt der Kompressor regelmäßig an, baut den Druck sehr schnell wieder auf, geht in den Leerlauf, stoppt und startet kurze Zeit später erneut.

Dieses häufige Start-Stopp-Verhalten belastet den Kompressor nicht nur mechanisch, sondern wirkt sich auch negativ auf die Ölqualität aus. Insbesondere bei kurzen Laufzeiten kann es zur Kondensation von Feuchtigkeit im Öl kommen. Langfristig führt dieses Kondensat zu einer Verschlechterung der Schmierfähigkeit und kann Korrosion im Verdichterelement verursachen. Im schlimmsten Fall droht der vorzeitige Ausfall des Kompressors, oft als „schleichender Tod des Kompressors“ bezeichnet.

Um dieses Risiko zu vermeiden, sollten Leckagen auch im Stillstand ernst genommen werden. Eine Kombination aus konsequenter Leckagebeseitigung, angepasstem Betriebsverhalten und gegebenenfalls automatisierter Abschaltung des Kompressors bei Produktionsstillstand schützt nicht nur vor unnötigen Energiekosten, sondern auch vor langfristigen Schäden an der Anlage.

Motivation für 2026: Kleine Schritte, große Wirkung

Leckagen sind selten spektakulär, aber teuer. Schon das Beseitigen weniger größerer Leckagen kann:

  • den Energieverbrauch spürbar senken
  • die Laufzeiten der Kompressoren reduzieren
  • Wartungskosten verringern
  • die CO₂-Bilanz verbessern

Wer sich zum Jahresbeginn vornimmt, Leckagen systematisch zu reduzieren, trifft eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung, ganz ohne Produktionsrisiken.

Fazit: Weniger Leckagen, mehr Effizienz

Leckagen gehören zu jeder Druckluftanlage. Zu viele Leckagen jedoch kosten unnötig Geld. Wer Druckluftleckagen versteht, misst und gezielt reduziert, schafft Transparenz, senkt Kosten und erhöht die Effizienz der gesamten Anlage.

Ob Sie Druckluftleckagen finden, Leckagen orten lassen oder bestehende Verluste Schritt für Schritt reduzieren: Jeder Beitrag zählt.
2026 mit weniger Leckagen zu starten ist kein guter Vorsatz, es ist eine Investition in Effizienz, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit.